Getreidefreies BARF: Wann sinnvoll und wann nicht?
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"Getreide gehört nicht in den Hundenapf", diesen Satz hörst du in der BARF-Community ständig. Und grundsätzlich stimmt es: Die meisten BARF-Pläne kommen komplett ohne Getreide aus. Aber ist Getreide wirklich so schlimm? Und gibt es Situationen, in denen ein kleiner Getreideanteil sogar sinnvoll sein kann?
Warum BARF meistens getreidefrei ist
Das BARFen orientiert sich an der natürlichen Ernährung von Wölfen und wilden Caniden. Diese fressen hauptsächlich Beutetiere, Fleisch, Knochen, Innereien und den vorverdauten Mageninhalt der Beute. Getreide spielt dabei keine Rolle.
Die Argumente gegen Getreide im Hundefutter:
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- Hunde brauchen kein Getreide, alle Nährstoffe können aus tierischen und pflanzlichen (Gemüse/Obst) Quellen gedeckt werden
- Gluten kann Unverträglichkeiten auslösen, bei empfindlichen Hunden
- Hoher glykämischer Index, Getreide lässt den Blutzucker schnell ansteigen
- Phytinsäure, kann die Aufnahme von Mineralstoffen hemmen
Was passiert im Hundedarm ohne Getreide?
Wenn du deinen Hund konsequent getreidefrei BARFst, verändert sich seine Verdauung spürbar: Der Kot wird fester, kleiner und geruchsärmer. Das liegt daran, dass tierisches Protein und Fett weitgehend vollständig verwertet werden, es bleibt einfach weniger übrig. Viele BARF-Einsteigerinnen sind überrascht, wie drastisch dieser Unterschied sein kann. Statt täglich großen, matschigen Haufen hinterlässtst dein Hund nach ein paar Wochen deutlich kompaktere Mengen. Ein gutes Zeichen, dass die Verdauung effizient läuft.
Gemüse als Kohlenhydrat-Quelle
Was viele vergessen: Auch ohne Getreide bekommt dein Hund Kohlenhydrate, nämlich über Gemüse. Karotten, Kürbis, Zucchini und Pastinaken liefern komplexe Kohlenhydrate mit deutlich niedrigerem glykämischen Index als Weizen oder Mais. Dazu kommen wertvolle Ballaststoffe, die die Darmflora unterstützen. Die Faustregel beim BARFen: etwa 10–20 % der Ration kann aus Gemüse und Obst bestehen, und das reicht für die meisten Hunde vollkommen aus.
Wann getreidefrei wirklich sinnvoll ist
- Bei Getreideallergien, Symptome: Juckreiz, Ohrentzündungen, Verdauungsprobleme
- Bei Glutenunverträglichkeit, besonders häufig bei Irish Settern
- Bei Übergewicht, Getreide liefert viele Kohlenhydrate, die bei wenig Bewegung als Fett gespeichert werden
- Bei chronischen Ohrentzündungen, oft mit Getreide-Unverträglichkeit verbunden
- Bei IBD oder Darmentzündungen, getreidefreie Ernährung kann die Symptome lindern
Symptome, die auf Getreide-Unverträglichkeit hindeuten
Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, wenn dein Hund bestimmte Beschwerden hat. Klassische Hinweiszeichen sind:
- Immer wiederkehrendes Kratzen an Ohren, Pfoten oder Bauch
- Rötliche Verfärbungen im Fell zwischen den Zehen (Speichelverfärbung durch ständiges Lecken)
- Weicher, schaumiger oder schleimiger Kot trotz gesunder Rohfütterung
- Blähungen, Magengrummeln oder häufiges Gras fressen
- Chronische Hautprobleme trotz regelmäßiger Pflege
Keines dieser Symptome beweist allein eine Getreide-Unverträglichkeit, aber wenn mehrere davon zusammen auftreten, ist eine getreidefrei Phase ein sehr sinnvoller erster Schritt.
Wann etwas Getreide oder Pseudo-Getreide helfen kann
Es gibt Situationen, in denen eine kontrollierte Menge Getreide oder Pseudo-Getreide sinnvoll sein kann:
- Sehr aktive Hunde, Schlittenhunde oder Arbeitshunde brauchen manchmal mehr Kohlenhydrate für Energie
- Untergewichtige Hunde, Kohlenhydrate helfen, Gewicht aufzubauen
- Hunde mit empfindlichem Magen, Schonkost mit Reis kann bei Durchfall helfen
- Trächtige oder säugende Hündinnen, erhöhter Energiebedarf
Gekochter Reis bei Magen-Darm-Problemen
Gekochter weißer Reis ist seit Jahrzehnten bewährte Schonkost, auch für Hunde. Wenn dein Hund einmal einen rebellischen Magen hat, ist eine Mahlzeit aus gekochtem Hähnchenbrustfleisch und weißem Reis (im Verhältnis 2:1) eine sanfte Soforthilfe. Das ist kein Widerspruch zur BARF-Philosophie, sondern gesunder Menschenverstand. Sobald sich der Magen beruhigt hat, kannst du problemlos wieder auf getreidefreies Rohfutter umsteigen.
Geeignete Alternativen zu klassischem Getreide
| Pseudo-Getreide | Vorteile | Zubereitung |
|---|---|---|
| Amaranth | Glutenfrei, proteinreich | Kochen, abkühlen lassen |
| Quinoa | Glutenfrei, viele Aminosäuren | Kochen, gut spülen |
| Buchweizen | Glutenfrei, gut verträglich | Kochen oder keimen lassen |
| Kartoffel/Süßkartoffel | Glutenfrei, energiereich | Kochen (roh giftig!) |
Quinoa richtig vorbereiten
Quinoa enthält von Natur aus Saponine, Bitterstoffe, die den Magen reizen können. Deshalb ist gründliches Spülen vor dem Kochen Pflicht: Quinoa mindestens 2–3 Minuten unter fließendem Wasser abspülen, dann in der doppelten Menge Wasser 15 Minuten köcheln lassen. Vollständig abkühlen lassen, bevor du es unter das Futter mischst. Kleiner Richtwert: Für einen 25 kg schweren Hund reichen bei Bedarf 2–3 Esslöffel gekochtes Quinoa als Ergänzung.
Wie du herausfindest, ob dein Hund Getreide verträgt
Der einfachste Weg ist eine Ausschlussdiät: Füttere 6–8 Wochen komplett getreidefrei und beobachte, ob sich Symptome bessern. Danach kannst du einzelne Sorten wieder einführen und die Reaktion beobachten.
So führst du eine Ausschlussdiät durch
Eine Ausschlussdiät klingt aufwendig, ist es aber nicht. Du brauchst dafür:
- Eine einzige Proteinquelle, die dein Hund noch nicht kennt, zum Beispiel Pferd, Känguru oder Rentier
- Dazu Gemüse, das keine bekannten Auslöser enthält (Zucchini und Kürbis sind gute neutrale Optionen)
- Ein Symptom-Tagebuch: Notiere täglich Juckreiz, Kotbeschaffenheit und Allgemeinbefinden
Nach 6–8 Wochen führst du eine Getreideart ein, und nur eine. Warte dann 2 Wochen, bevor du etwas anderes ausprobierst. So kannst du klar eingrenzen, ob dein Hund beispielsweise Weizen schlecht verträgt, Reis aber problemlos. Diese Methode ist zeitaufwendig, aber sie liefert dir verlässliche Antworten, keine Vermutungen.
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Veröffentlicht durch die BARFguide-Redaktion. Veröffentlicht am 2. September 2026.
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